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Ballsäle um 1900 in Dresden

Dresden war vor dem ersten Weltkrieg eine reiche Stadt. Sie war eine wichtige Industriestadt und ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Das Dienstleistungsgewerbe beschäftigte viele Arbeitskräfte in der Tourismusbranche. Das  gesellschaftliche Leben spielte sich meist in gemieteten Sälen ab. Diese Säle hatten meist eine multifunktionale Bedeutung und dienten nicht nur dem Tanz. Die öffentlichen Tanzsäle gehörten meist zu Gastwirtschaften. Jedes bessere Hotel bot die Gelegenheit, tanzen zu können. Das Dresdner Residenz schloss verfügte über zwei Ballsäle. Das schönste Ballhaus Dresdens war damals das Belvedere auf der Brühlschen Terrasse.

 

Keine  Gelegenheit zum Tanzen wurde ausgelassen – zum Fasching, auf Kostümbällen, zu Sommerfesten, zum Erntedank. Man Tanzte bei vielen Gelegenheiten und vor allem in den dafür errichteten Ballsälen. Das Tanzvergnügen spielte eine wichtige Rolle im gesellschaftlichen Leben. Die üppig dekorierten Ballsäle vermittelten das Flair eines immer währenden Festes. In den Festsälen traf man sich  zu einer Vielzahl von Bällen. Die bessere Gesellschaft gab „Subscriptionsbälle“ zu denen man eingeladen wurde und im Voraus eine beträchtliche Summe entrichten musste. Viele Bälle waren auch Heiratsmärkte. Zu Hofbällen hatten nur Privilegierte Zutritt, denen es eine Ehre war, geladen zu sein. Hier herrschten feste komplizierte Regeln. Der Hofball im königlichen Residenz schloss stand an der Spitze der gesellschaftlichen Ereignisse. Der Ball war zweifellos ein glanzvolles Fest, aber es ging dort recht steif zu.


Privatbälle beinhalteten einen erheblichen finanziellen Aufwand. Wer zu einem privaten Ball geladen war, hatte die Pflicht,, sich mit einer Gegeneinladung zu revanchieren, wenn er einen eigenen Hausstand hatte. Junggesellen durften nur Herrenabende geben, keine Bälle. Zu den Bällen gab es geordnete Regeln, die ein Ordner oder Ballführer durchsetzte. Öffentliche Bälle mussten von Vortänzern arrangiert und durch Tanzordnungen geregelt werden.Tanzen zählte zum Bildungsgut. Der Besuch einer Tanzschule war unerlässlich. Hier lernte man tanzen und gute Umgangsformen. Bei jedem Ball wurde größter Wert auf korrekte Kleidung gelegt. Die Damen orientierten sich an der Pariser Mode. Die Bälle boten Gelegenheit, Dekolleté und Reichtum zur Schau zu stellen. Zu den unverzichtbaren Accessoires gehörten Spitzentuch und Fächer, der mit einer Kette oder einem Seidenband am Gürtel getragen wird..


Anmerkungen zur Tanzbekleidung:

……die junge Welt erscheint bei Tanzfesten ausgeschnitten und hell gekleidet.Die Ballmütter tragen dunkle oder mittlere Seide. Für große Diners gilt das gleiche. Für kleinere sind hohe Kleider geboten.

Junge Frauen wählen schlichte Seidentoiletten. Halber Ausschnitt ist statthaft.

Auch für Abendgesellschaften sind geschlossene Taillen anzulegen. Hell oder ganz hell entscheidet der Charakter der Veranstaltung. Kaffeegesellschaften erfordern elegante Besuchstoilette. Zu Vereinsabenden kleidet man sich wie zu Konzert und Theater.

In vernachlässigter Toilette zu erscheinen ist eine Beleidigung gegen die Gastgeber.

Die sehr geräumigen Säle besaßen meist eine Bühne oder ein Podest für die darbietenden Künstler. Oft hatten Tanzsäle Galerien für die Zuschauer. Prunkvolle Raumdekorationen waren obligatorisch. Säulen schmückten die Räume und die Decken waren mit üppigen Malereien geschmückt. Glänzende Materialien, Spiegel und eine Lichtfülle sorgten für einen festlichen Raumeindruck. Die meisten Etablissements  besaßen neben einem großen Saal mehrere kleinere Räume sowie Räume für die Bewirtung der Gäste. Der Platz für ein Tanzbar wurde mit 3qm bemessen. In der Regel wurden die Säle an die Rückseiten der Gasthöfe angebaut. Die Schönheit im Inneren war verborgen. Eine Ausnahme bildete unter Anderem der Ballsaal des Brauhauses Watzke als frei stehender Baukörper.

Im Krieg wurden viele Ballsäle zerstört, andere verfielen oder wurden um genutzt. Heute gewinnt die Ballkultur in Sachsens Hauptstadt wieder regen Zuspruch. Fest etabliert ist der Opernball in der Semperoper als Höhepunkt seit vier Jahren.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 14. Dezember 2009 um 09:08 Uhr
 
 
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"Als Balletttänzer lebst du in einem Mikrokosmos.
Dein soziales Umfeld besteht nur aus dem Ballett."
Eric Gautthier, Tänzer und Musiker